
Moin AInauten,
Willkommen zur neuen Ausgabe deines Lieblingsnewsletters.
Heute wird gegründet, produziert und abgesichert. Zwei der drei Themen haben wir selbst getestet. Beim dritten sind wir ehrlich gesagt froh, dass es andere für uns gemacht haben. 😉
Hier die Themen im Detail:
🏛️ Firma gründen? Das geht jetzt direkt in ChatGPT
🎧 Experiment: Welches Modell, um eigene Hörbücher zu erstellen
🛡️ Warum E-Mails deine neue Angriffsfläche sind und wie du dich schützt
Los geht's!
🏛️ GmbH gründen? Das geht jetzt direkt in ChatGPT
Wir wollen einsteigen mit einem coolen Use Case, wie AI und smarte Unternehmen den Bürokratiewahnsinn in Deutschland entschärfen wollen.
Wenn du schon mal eine Firma in Deutschland gegründet hast, kennst du das Programm: Notartermin, Formulare (die kein Schwein versteht), Handelsregister, warten. Bankkonto, IHK. Warten. Gerne mal 8 Wochen und mehr.
Ein Unternehmen zu gründen, ist nur einer von vielen Bereichen, in denen die Bürokratie alles ein wenig erschwert. Deshalb gibt es einige Startups, die hier Abhilfe schaffen wollen.
Eines davon ist beglaubigt.de. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, Unternehmensgründungen online möglich zu machen.

Diese Woche dann die News: beglaubigt.de gibt es jetzt als App direkt in ChatGPT!
Du sagst der Maschine, dass du gründen willst, und es geht los.
Wir haben es natürlich sofort ausprobiert.

Die App fragt dich Schritt für Schritt durch: GmbH oder UG, Firmenname, Zweck, Stammkapital, Gesellschafter, Geschäftsführer. Alles im Chat.

Am Ende bekommst du einen sicheren Checkout-Link in den Browser. Zahlung und Identitätsprüfung passieren dort, nicht im Chat.
Die App sagt das selbst ganz transparent: „the assistant never processes payment itself“. Und der Notartermin bleibt sowieso Pflicht, den koordiniert Beglaubigt im Hintergrund mit.
Dahinter steckt übrigens kein Wochenend-Hack, sondern die Openlaw GmbH aus München: Y-Combinator-Batch, 3,3 Millionen Seed, über 25.000 Kunden, rund 300 angebundene Notariate. Die drücken die Gründungszeit von 8 Wochen auf etwa 3 Tage.
Installiert bekommst du das in ChatGPT ganz einfach unter Plugins:

Warum wir das hier bringen
Nicht nur wegen der GmbH-Gründung zusammen mit ChatGPT. Für uns steht der Workflow für etwas Größeres.
Leute fragen ChatGPT längst, wie man eine Firma gründet. Bisher war die Antwort ein Text und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Jetzt ist die Antwort: „Gerne, fangen wir an.“
Für Unternehmen, die neue Kunden wollen, bedeutet das:
Der Kunde wird nicht mehr auf deiner Website abgeholt, sondern in dem Moment, in dem er die Absicht ausspricht. Vor der Google-Suche. Vor dem Preisvergleich.
Unser Take: Wo sind deine Customer Touch Points?
Alle, die auf der Suche nach Kunden oder neuen Ideen sind, sollten sich fragen: Welche Frage stellt mein Kunde einer AI, bevor er mich findet? Und antwortet ihm die AI mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen, oder kann man etwas bauen, mit dem die AI den Job direkt ausführen kann?
Und wir hoffen natürlich, dass noch viel mehr Bürokratie abgebaut wird. Durch AI. 😁
🎧 Experiment: ein komplettes Hörbuch mit AI, fertig für den Handel
Wir bekommen immer wieder Anfragen zum Thema Bücher schreiben mit AI. Und fast noch öfter: Wie erstelle ich ein Hörbuch mit AI? Gleichzeitig ist es ein Thema, das uns selbst auch interessiert.
Daher haben wir uns einmal hingesetzt und für dich getestet. Welche Modelle sind die besten und worauf kommt es an?
Wir haben ein komplettes deutsches Hörbuch produziert. 8 Stunden und 27 Minuten, 20 Kapitel, fertig gemastert nach Händlervorgaben.

Die Vorlage: ein Sachbuch mit 68.000 Wörtern, ebenfalls von uns geschrieben (noch unveröffentlicht, daher heute ohne Titel. Kommt dann alles noch, wenn wir launchen).
Produktionszeit: 2 Stunden.
Studio: keins.
Sprecher: eine AI-Stimme über fal.ai.
Ergebnis: Wirklich schon gut brauchbar!
Das Spannende war aber nicht, DASS es geht. Klar, das machen schon viele. Spannend war, woran die Authentizität wirklich hängt, worin sich die Modelle unterscheiden und was es ungefähr kostet.

Zwei Dinge haben wir gelernt, die du auch sofort für dich nutzen kannst. Egal bei welchem Audio-Projekt.
(Alles im Detail gibt es dann in unserem Deep-Dive in der AI Automation-Community.)
1. Das Modell macht den Unterschied, nicht die Stimme
Wir haben die Stimme im Blindtest gecastet: 2 Runden, 11 Kandidaten von ElevenLabs, MiniMax und Inworld, immer dasselbe Kapitel, anonymisiert als Datei A bis K.

Die Pointe: Wir haben blind mehrfach dieselbe Stimme gewählt, ohne es zu wissen!
Einmal auf dem alten ElevenLabs-Modell (multilingual-v2), einmal auf dem neuen (eleven-v3). Die Kritik am alten war wörtlich „klingt zu sehr nach AI“. Gleiche Stimme, anderes Modell.
Der Sprung von „klingt nach Vorlese-Bot“ zu „klingt nach Mensch“ kam also komplett vom Modell, nicht von der Stimme. Nicht aus dem Stimm-Casting.
Learning: ElevenLabs v3 war das mit Abstand beste Modell in unserem Test!
2. Vertraue der Maschine nie ohne zweite Maschine
8,5 Stunden Audio hört niemand vollständig zur Korrektur.
Deshalb haben wir einen Verifier gebaut: Jedes fertige Kapitel wird automatisch zurücktranskribiert und Wort für Wort gegen das Skript verglichen.
Hier haben wir die ElevenLabs Scribe API verwendet.

Der hat über 50 Stellen gefunden, an denen die Stimme „oben Schrägstrich unten“ vorgelesen hat - weil im Manuskript „oben/unten“ stand. Beim stichprobenartigen Reinhören hätten wir das nie gefunden.
Nach dem Fix: 20 von 20 Kapiteln grün, Wortfehlerrate zwischen 0 und 3,4 Prozent.
Learning: Nutze die AI, um die AI-Ergebnisse zu kontrollieren. Auch wenn es etwas mehr Geld kostet.
Unser Take: Mit dem richtigen Ansatz klappt das gut
Es ist wirklich erschreckend einfach geworden, solche Sachen zu produzieren, wenn du weißt, welche Tools und welche Modelle du am besten nutzt.
Unser Tool-Stack ist extrem simpel:
Claude Code/Cowork oder ChatGPT Work/Codex
fal.ai für die Audio-Modelle
ElevenLabs v3 für Narration und Scribe für Transkription
Kosten: knapp 80 Euro
Ein gutes Manuskript wird an einem Nachmittag zum Hörbuch. Ein schlechtes wird ein schlechtes Hörbuch in Bestzeit.
Noch eine ehrliche Einordnung zum Schluss: Natürlich hört man es an einigen Stellen. Keine Frage. Und Audible nimmt reine AI-Hörbücher weiterhin nicht an (Stand August 2026, allerdings arbeiten sie wohl an einer eigenen Lösung).
Sobald wir aus dem Urlaub wieder da sind, kommt der Deep-Dive samt Videos etc. für alle in der Community.
Aber für alle, die sofort loslegen wollen: die zwei Learnings oben sparen dir Stunden und einiges an Geld für ein richtig gutes Ergebnis.
🛡️ Dein E-Mail-Postfach ist die neue AI-Angriffsfläche
Kommen wir zum Abschluss zu einem Thema, das wir schon einmal hatten.
Aber es ist uns diese Woche gleich zweimal begegnet: in der aktuellen c't-Titelstory und in Berichten von der DEF CON, der größten Hacker-Konferenz der Welt.
Die Kurzfassung der c't: AI kann mittlerweile richtig gut hacken. Okay, das wissen wir.
Sicherheitslücken zu finden und auszunutzen, ist keine Frage von tiefgreifendem Know-how mehr, sondern von Token-Budget. So weit, so gut.
Aber der Teil, der uns alle direkt betrifft, ist ein anderer: Dein eigener AI-Assistent ist die neue Eingangstür.
Ein bekanntes Beispiel ist EchoLeak. Eine präparierte Mail an einen Microsoft-Copilot-Nutzer reichte. Als der Nutzer harmlos fragte: „Fass mir mein Postfach zusammen“, las die AI die versteckten Anweisungen in der Mail und schickte vertrauliche Dokumente an den Angreifer.
Ohne einen einzigen Klick des Opfers.
(Rausgefunden haben das Sicherheitsforscher, Microsoft hat die Lücke mittlerweile gepatcht. Das Muster dahinter bleibt aber überall dort, wo eine AI fremde Inhalte liest.)
So läuft das Ganze ab:

Auf der DEF CON wurden solche Angriffe diesen Monat live demonstriert: über Mails, Slack-Nachrichten, Support-Tickets und sogar Produktbeschreibungen.
Wir haben schon viel über solche Prompt-Injections geschrieben. Und ja, die Modelle werden immer besser darin, sie zu erkennen.
Trotzdem. Jetzt, wo gerade jeder von uns Claude Cowork, ChatGPT Work und Co. direkten Access auf unsere E-Mail-Konten gibt, halten wir es für super relevant, noch einmal drüber zu schreiben.

Die Regel, die dich schützt
Jetzt könntest du sagen: Dann verbinde ich meine Mails halt nicht!
Klar, aber es ist einfach so verdammt praktisch, wenn dein AI Mitarbeiter deine Mails im Auge hat.
Die bessere Regel kommt von AI-Pro Simon Willison und ist leicht zu merken. Er hat schon letztes Jahr darüber geschrieben.
Gefährlich wird es genau dann, wenn drei Dinge gleichzeitig und ungebremst zusammenkommen:
Zugriff auf private Daten (Postfach, Drive, CRM)
Kontakt mit fremdem Input (Mails von außen, Webseiten, Dokumente)
ein Kanal nach draußen (Mails senden, Links aufrufen, Dateien teilen)
Zwei davon: okay. Alle drei ohne Bremse: Problematisch!
Konkret für dein Setup heißt das:
Lesen ja, Senden nur mit Bestätigung. Auto-Approve für Mailversand und Datei-Aktionen ausschalten.
Agenten, die fremde Inhalte verarbeiten, bekommen keine Passwörter und API-Keys.
Für autonome Bots ein separates Konto mit minimalen Rechten, nicht deinen Haupt-Account.
Unser Take: Nutze die Bremse zu deiner Sicherheit
Wir sind die Letzten, die dir von AI-Mitarbeitern abraten. Wir sprechen ja die ganze Zeit darüber und arbeiten den ganzen Tag mit ihnen zusammen.
Deshalb sehen wir es auch als unsere Verantwortung, über so etwas zu schreiben.
Die Bestätigungs-Klicks der AI-Mitarbeiter, über die wir uns alle manchmal ärgern, sind genau die Bremse, die dich vor EchoLeak-Attacken und Co. schützen.
Schalte sie nicht aus Bequemlichkeit ab.
Smartere Modelle lösen das Problem übrigens nicht zwingend.
Der Angreifer kann beliebig oft probieren und muss nur einmal durchkommen. Die Architektur schützt dich, nicht die Intelligenz.
So, das war's für heute. Eine Ausgabe zum Gründen, Produzieren und Absichern.
Tausend Dank wie immer, wenn du bis hierher gelesen hast!
Bis nächste Woche.
Reto & Fabian von den AInauten
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