Moin AInauten,

Willkommen zur neuen Ausgabe deines Lieblingsnewsletters.

Nachdem wir die letzten Wochen viel über Agents geschrieben haben, ist uns aufgefallen, dass wir einen noch gar nicht thematisiert haben, zu dem du vermutlich auch jetzt schon Zugang hättest.

Gleichzeitig haben wir einen ganzen Tag damit verbracht, die Texte & Workflows unserer smartesten AI wieder einzufangen.

Wieder eine coole Erfahrung im Spannungsverhältnis von „AI macht alles“ und „AI macht lieber nicht alles“.

Hier die Themen im Detail:

  • 🤝 Claude Duet: Anthropics Antwort auf Dot und Co. getestet

  • 🛑 Autopilot aus: Warum wir bei guter AI weniger hinschauen

  • 🔐 Ein 10-Minuten-Check, bevor du Agenten alles gibst

Los geht's!

🤝 Claude Duet: Anthropics Antwort auf Dot und Co. getestet

Über Grok Bot, Dots & Co. haben wir die letzten Wochen viel geschrieben. Seit ein paar Tagen haben wir jetzt auch Zugang zu Anthropics Antwort darauf: Claude Duet.

Ja, auch aus Deutschland raus, ohne VPN und Co. Offiziell gibt es Duet zwar nur in den USA, bei uns hat es trotzdem geklappt.

Wir haben Duet seit einigen Tagen im Test und hier mal ein erster Zwischenstand.

Nach zwei Minuten wusste Duet, woran wir hängen

Duet übernimmt beim Start einfach alles, was in deinem Claude-Account schon steckt. Gedächtnis, Skills, Konnektoren wie Gmail, Kalender, Slack oder Drive.

Claude Duet übernimmt beim Start Gedächtnis, Skills und Konnektoren aus dem Claude-Account

Kein Onboarding mit 20 Fragen. Duet hat sich unsere Apps angeschaut und am ersten Nachmittag geschrieben: „You work like a builder who happens to run a company.“

Nehmen wir mal als Kompliment.

Nach 2 Klicks und 3 Minuten Onboarding ging es direkt los mit einem ersten Vorschlag seitens der Maschine was sie erledigen will: ein frischer Blick auf unsere neue Landingpage. Weil Fabian vorher an Reto geschrieben hatte, da sei noch viel zu viel Text drauf.

Erster Vorschlag von Claude Duet: ein frischer Blick auf die neue Landingpage

Claude Duet ist proaktiv und meldet sich von selbst

Das ist ja der eigentliche Unterschied dieser ganzen always-on Agents. Sie melden sich von selbst. Du musst Duet nicht fragen.

Jeden Morgen kommt ein kurzes Briefing, und alle paar Stunden schaut es in deine verbundenen Konten, ob etwas ansteht. Bei uns am Dienstag um 8:31 Uhr:

Morgen-Briefing von Claude Duet am Dienstag um 8:31 Uhr

Das Coole ist, dass Duet ständig alles im Blick behält und uns auf Dinge aufmerksam macht, die wir nicht am Schirm hatten. Und bei denen wir nicht mal auf die Idee gekommen wären, dass sie jemand am Schirm haben sollte.

Klassisches Beispiel von gestern: Duet hat uns auf eine Mail hingewiesen, die untergegangen war. Der Absender hatte schon dreimal nachgefragt.

Sie hing mit einem anderen Projekt zusammen. Duet hat gleich vorgeschlagen, wie wir das lösen, und die Antwort vorbereitet.

Dreimal peinlich. Aber Duet weist nicht nur drauf hin, sondern will auch gleich das dahinter regeln.

Lesen, Entwürfe, Vorbereitung macht Duet allein. Bevor es etwas sendet, bezahlt, unterschreibt oder löscht, fragt es nach.

Einkäufe gehen nur mit Freigabe, Überweisungen und Aktienhandel gar nicht. Aktuell noch.

Trotzdem eine wirklich coole Erfahrung bis hierher.

Was nervt

  • Eigene App! Aktuell ist Duet eine eigene App bzw. ein eigenes Browser Interface. Seit gestern ist es zumindest auch im Web integriert, aber nicht in der Desktop-App. Noch nicht … Aber aktuell suuuuuuper nervig.

  • Viele Rückfragen... Uns kommt Duet im Vergleich zu anderen Bots sehr vorsichtig vor. Statt einfach durchzuziehen, fragt Duet oft noch mal nach. Was vielleicht auch was Gutes ist. Aber für uns aktuell noch etwas nervig. (Dazu gleich mehr.)

Claude Duet fragt vor der Ausführung noch einmal nach

Wir mögen aktuell Grok Bot noch am liebsten für autonome Teams und Arbeit. Aber Duet schleicht sich mehr und mehr in unsere täglichen Workflows und macht auch auf der persönlichen Ebene einen sehr guten Eindruck.

Klar, Claude ist zu gut 75 % unser Daily Driver (auch wenn wir weiter fröhlich zwischen ChatGPT, Grok Bot und Claude hin- und herspringen).

Duet hat Zugriff auf unser bestes Kontext-Setup.

So kommst du auf die Warteliste

Wenn du Duet selbst nutzen willst, musst du aktuell noch kurz auf die Warteliste.

Auf claude.com/product/claude-duet auf „Join the waitlist“ klicken. Dann warten, bis die Mail kommt.

Der Haken: Offiziell gibt es Duet nur für Pro, Max und Ultra in den USA. Und es zieht vom selben Kontingent wie dein normales Claude, auch für die Checks im Hintergrund.

Wir haben uns trotzdem einfach aus Deutschland eingetragen und sind reingekommen. Allerdings mit Ultra-Abo, kann also auch daran liegen.

Eintragen kostet nichts. Probier's einfach.

Vielleicht als Tipp bei der ersten Aufgabe eintragen, dass du Grok Bot Heavy User bist, vielleicht gibt dich Anthropic dann schneller frei. 😉

Claude Duet Warteliste und Freischaltung

Unser Take: Nicht der klügste Agent gewinnt, sondern der, der dich kennt

Wie immer gilt auch bei Duet der beste Agent ist der, der am meisten von deinem Kontext hat.

Wer schon in Claude lebt, sollte Duet ausprobieren.

Und je mehr wir abgeben, desto wichtiger wird die Frage, wo wir selbst noch hinschauen. Was uns direkt zum nächsten Thema bringt.

🛑 Autopilot aus: Warum wir bei guter AI weniger hinschauen

Wir machen mit einem Thema weiter, das so in der Form auch schon einige Male da war, trotzdem passt es hier heute gut rein.

Im Job-Check letzte Woche haben wir geschrieben: Das Checken wird immer schwerer, weil wir gar nicht mehr sehen, was die Bots machen. Dazu bald mehr.

Hier ist der erste Teil von mehr.

Ein ganzer Tag für unsere eigenen Mails

Am Dienstag haben wir einen ganzen Tag damit verbracht, unsere Mails für Black Friday (da kommt was richtig Cooles) umzuschreiben bzw. die Strategie dahinter zu verändern.

Obwohl wir die smartesten AIs haben, obwohl sie unseren Kontext kennen, obwohl sie wirklich schon sehr gut schreiben wie wir.

Wir wollten den Kampagnenplan von A-Z einmal an die AI geben und schauen, was dabei rauskommt.

Was ist passiert:

  • Viel zu komplexes Setup geplant. Wir haben es selbst kaum verstanden.

  • Jede Aussage in den Texten fünfmal abgesichert. Das zerstört den kompletten Fluss.

  • Unmengen Zielgruppen gebaut. Mit Klickpfaden, Abhängigkeiten und Sonderfällen.

  • Vieles aufgebläht. Typischer AI-Slop. Von uns. 😉

Klar, man hätte es so machen können. Wahrscheinlich wäre das Ergebnis auch ok gewesen, aber es war nicht unser Stil.

Der Plan hatte drei Strecken und acht Zielgruppen, dazu 23 bzw. 18 Mails in zwei Versionen und eine eigene Liste mit Ausschlussfällen.

Wir mögen es einfach. Simpel. Wir glauben in der Einfachheit liegt die Schwierigkeit.

Jetzt ist es eine Hauptstrecke mit neun Mails an alle, die den Newsletter bekommen. Die Mails haben alle einen Mehrwert für die Leser.

Erster Mail-Plan gegen jetzt: Zielgruppen 8 auf 1, Strecken 3 auf 1, Mails 18 auf 12

Jede Zielgruppe mehr ist eine Stelle, an der etwas schiefgehen kann. Falscher Tag im System, doppelte Mail, ein Käufer bekommt noch eine Verkaufsmail.

Die AI baut so etwas. Sie scheut Komplexität nicht. Das ist manchmal gut, aber wir glauben: In 90 % der Fälle ist einfach besser.

Der Klassiker: 2 AIs planen zusammen

Natürlich arbeiten wir beide an solchen Themen. Beide mit unseren AIs.

Passiert ist dann wieder ein Klassiker: Zwei AIs haben sich gegenseitig aufgeblasen, statt sich zu kürzen.

Wir sehen das in so vielen Unternehmen, mit denen wir arbeiten. Menschen geben alles nur noch zur AI und geben es dann weiter. Das Gegenüber macht dasselbe.

Dafür gibt es übrigens schon einen Begriff: Meat Proxy. 😉

Der Mensch in der Mitte, der Fragen an die AI weiterreicht und die Antworten zurück. „Adding nothing but latency.“

Meat-Proxy-Schleife: Der Mensch reicht Fragen an die AI weiter und Antworten zurück

Am Dienstag waren wir verdammt nah dran.

Warum das mit jedem Update schlimmer wird

Katie Parrott hat dazu einen richtig guten Text geschrieben. Sie hat einen Kundenauftrag ein zweites Mal komplett geschrieben, weil sie vergessen hatte, dass sie ihn vier Wochen vorher schon abgegeben hatte.

Sie hatte so viel an die AI abgegeben, dass ihr Kopf es gar nicht abgespeichert hat.

Ihr Punkt, frei übersetzt: Das Risiko ist nicht, dass die AI für dich denkt. Sondern dass sie dir das Gefühl gibt, du hättest schon nachgedacht.

Dahinter steckt ein alter Effekt aus dem Cockpit. Je zuverlässiger ein System, desto seltener prüfen wir es.

Heißt für uns: Jedes Modell-Update macht es schlimmer. Weniger offensichtliche Fehler. Die übrigen sieht man schwerer.

Hier drei Bremsen, wie du das eindämmen kannst

1. Einfachste Version zuerst

Bevor die AI etwas bauen darf, gib ihr explizit den Auftrag, die einfachste Version davon zu bauen.

Jede Extra-Stufe muss sie begründen. „Wäre gründlicher“ zählt nicht.

Bevor du etwas baust: Beschreib in drei Sätzen die einfachste Version, die mein Ziel erreicht.

Dann liste alles auf, was du zusätzlich einbauen würdest, zum Beispiel [...]. Schreib zu jedem Punkt, was konkret schiefgeht, wenn wir ihn weglassen.

Bau nur die einfache Version. Den Rest schlägst du vor, ich entscheide.

Im Test mit unserer Black-Friday-Aufgabe kamen vier Mails an alle raus. Dazu zwölf Vorschläge für Extras, jeder mit Begründung.

Die Liste war also immer noch lang. Aber jetzt entscheiden wir, nicht die AI.

2. Ein Satz, bevor du übernimmst

Wenn die AI dir Änderungen vorschlägt, klick nicht auf „Alles übernehmen“. Schreib zu jedem Vorschlag einen Satz, warum er für genau dich passt.

Fällt dir nur „klingt gut“ ein, fliegt er raus.

Klingt banal. Wirkt aber: In einer Studie übernahmen Studierende so deutlich seltener fehlerhafte AI-Vorschläge (41 statt 65 %).

Die guten sogar etwas öfter.

Studie: Mit Begründung übernommen fehlerhafte Vorschläge 41 statt 65 Prozent, gute 86 statt 81 Prozent

Der Satz zwingt dich kurz hinzuschauen, bevor du klickst. Genau das, was im Autopilot fehlt.

Mit diesem Prompt baust du die Bremse direkt in deinen Chat ein:

Setz noch nichts um. Gib mir deine Vorschläge als nummerierte Liste, pro Punkt ein Satz. Ich antworte zu jedem mit Ja oder Nein und einem Satz Begründung. Danach setzt du nur die Ja-Punkte um.

3. Iterieren in mehreren Schleifen oder sogar mit anderen Modellen

Dein Agent schreibt bestimmt schon fast so gut wie du.

Manchmal aber auch nicht. Daher lassen wir Texte immer noch einmal mit einer Korrekturschleife in einer neuen Unterhaltung bzw. per Subagent prüfen und gegen unseren Tone of Voice matchen.

Im Idealfall sogar mit einem anderen Modell, das auch deine Briefings kennt.

Wir nutzen dazu gerne OpenRouter, Claude bzw. Codex managen die Korrekturschleifen.

Unser Take: Die nervigen Rückfragen sind ein Feature

Je mehr wir an Duet & Co. abgeben, desto wichtiger werden die paar Minuten, in denen wir bewusst langsam sind.

Lass uns manchmal langsam sein.

Und Duets viele Rückfragen, die uns oben genervt haben? Vielleicht genau richtig.

🔐 Ein 10-Minuten-Check, bevor du Agenten alles gibst

Vor zwei Wochen haben wir unser Setup dichtgemacht. Das war der große Hausputz, vom Mailkonto bis zum Router.

Heute die Kurzfassung nur für deine AI-Konten.

Fünf Handgriffe, zusammen etwa zehn Minuten. Der Grund, warum wir das heute bringen: zwei neue Löcher der letzten Tage und Duet, das alles erbt, was in deinem Claude steckt.

Am besten ChatGPT und Claude nebeneinander aufmachen und einmal durchgehen.

1. Trainings-Schalter: Bei ChatGPT sind es zwei (2 Minuten)

Auf Hacker News berichtete ein Team, dass das Training in Codex plötzlich wieder an war. Ob da wirklich etwas zurückgesetzt wurde, wissen wir nicht.

Aber laut OpenAI-Hilfe hat Codex eine eigene Einstellung „Umgebungen einschließen“. Die ändert sich nicht mit, wenn du in ChatGPT ausschaltest.

OpenAI-Hilfe: Codex-Einstellung Umgebungen einschließen

2. Geteilte Links löschen (2 Minuten)

Jeder Chat, den du mal per Link geteilt hast, ist für alle sichtbar, die den Link haben. Teilweise landen sie ja auch bei Google indexiert.

Wer viel teilt, sammelt da schnell einiges an.

  • ChatGPT: Einstellungen → Datenkontrollen → Geteilte Links → Verwalten. Unter „Weitere Aktionen“ gibt es „Alle geteilten Links löschen“.

  • Claude: Einstellungen → Datenschutz → „Geteilte Chats“ und „Geteilte Artefakte“ → Verwalten.

Der Chat selbst bleibt dabei erhalten, nur der Link ist weg. So sieht das bei Claude aus, oben der Trainings-Schalter (aus), darunter deine geteilten Inhalte:

Claude Datenschutz: Trainings-Schalter aus, darunter geteilte Chats und Artefakte

3. Gedächtnis aufräumen (3 Minuten)

Duet nutzt dein Claude-Gedächtnis und schreibt selbst etwas dazu. Und wenn du einen Chat löschst, bleibt das, was Claude daraus gelernt hat, trotzdem im Gedächtnis. Das sagt Anthropic selbst.

  • Claude: Einstellungen → Gedächtnis. Ganz unten kannst du Claude einfach schreiben, was sich ändern soll.

  • ChatGPT: Einstellungen → Personalisierung → Erinnerung.

Raus mit allem, was nicht mehr stimmt oder da nicht hingehört. Alte Projekte, Kundennamen, private Themen.

Wer es lustiger mag: Unser Kaffeepausen-Prompt zeigt dir auch, was deine AI über dich weiß. 😉

4. Verbundene Apps ausmisten (2 Minuten)

Alles, was du in Claude verbunden hast, hat Duet automatisch auch. Faustregel: Was du seit einem Monat nicht genutzt hast, fliegt raus. Neu verbinden dauert zehn Sekunden.

  • Claude: Einstellungen → Konnektoren

  • ChatGPT: Einstellungen → Plugins

  • Google: Verknüpfte Apps in deinem Google-Konto. Da tauchen auch alte Tools auf, die du vor Jahren mal mit Gmail oder Drive verbunden hast.

5. Cursor: der Backdoor-Check (1 Minute)

Zum Schluss wieder einmal ein Schreck, der letzte Woche selbst Experten traf.

Über den Cursor Marketplace wurde eine manipulierte Version der Erweiterung „Claude Code for VS Code“ verteilt (Versionen 2.1.312 und 2.1.313). Die legt eine Hintertür auf deinen Rechner.

Deinstallieren allein reicht nicht.

Auf dem Mac kopierst du das ins Terminal:

ls ~/Library/LaunchAgents/com.apple.sysmond.plist ~/.config/.smt 2>/dev/null; grep svc-telemetry ~/.ssh/authorized_keys 2>/dev/null

Kommt nichts zurück, bist du sauber. Taucht etwas auf, folg den Schritten im Bericht von Phorion und tausch alle Passwörter und API-Keys aus, die auf dem Rechner lagen.

Das betrifft jetzt nur Cursor-Nutzer.

Für alle anderen gilt die Regel dahinter: Skills, Plugins und Erweiterungen sind fremde Software. Nur aus offiziellen Quellen. Wobei wir hier gerade lernen: Selbst die offiziellen können gefährlich sein.

Alles ausschließen kann man einfach nicht.

Unser Take: Wer an Agenten abgibt, muss wissen, was sie haben

Zehn Minuten, einmal im Monat. Am besten gleich als wiederkehrenden Termin in den Kalender. Je mehr du an Agenten abgibst, desto wichtiger ist es zu wissen, was sie eigentlich alles haben.

So wir sind wieder durch für heute.

Danke fürs Lesen!

Reto & Fabian von den AInauten