Moin AInauten,

Willkommen zur neuen Ausgabe deines Lieblingsnewsletters.

Wieder einiges los die Woche. Neue AI-Mitarbeiter, neue Modelle, weniger Kontingent in den Abos ...

Aber die AI-Labs bauen gerade nicht mehr nur Modelle & Agents. Sie strecken ihre Fühler in mehr und mehr andere Bereiche aus und bauen das komplette Büro drumherum.

Dokumente, Folien und den Mitarbeiter gleich mit dazu.

Wir merken, dass wir mehr und mehr Tools, die wir nutzen, kündigen. Auch diese Woche wieder eins. Ein Tool, das wir jahrelang geliebt haben …

Hier die Themen im Detail:

  • 📊 Wir haben wieder ein Tool gekündigt: Brauchen wir noch Office-Tools?

  • 🟣 OpenAI Dots: Der nächste always-on Agent mit einem Problem

  • 🎩 Sechs Hüte, ein Prompt: Ein Buch von 1985 für deine nächste Entscheidung

Los geht's!

📊 Wir haben Gamma gekündigt: Brauchen wir noch Office-Tools?

Starten wir heute einmal nicht mit News, sondern mit Praxis.

Wenn du uns schon länger liest, weißt du: Für Präsentationen war Gamma jahrelang unser Go-to. Workshop-Folien, Kurs-Slides, Pitch-Decks. Alles Gamma.

Der erste Artikel dazu vor Jahren: Gamma ist der Hamma.

Zum Monatsende werden unsere beiden Abos auslaufen. Gekündigt. Daran ändern auch neue Features und die brandneu releaste Gamma 5 Beta-Version nichts.

Nicht, weil Gamma schlechter geworden ist. Sondern weil Claude & Co. jetzt selbst Folien bauen. Sie machen das nicht nur richtig gut, sondern bieten auch ein wirklich gutes Interface, um selbst in den Folien zu arbeiten und diese zu präsentieren.

Daher heute mal am Beispiel von Claude.

Das Feature heißt Claude Slides, ist seit Mitte September da und noch in der Beta.

Wichtig, bevor du suchst: Das läuft in der ganz normalen Claude-App. Web, Desktop, Handy. Nicht in Claude Code. Aktuell für Pro und Max, Team und Free sollen folgen.

Einfach bei Claude unter “Output” auswählen.

So funktioniert es

Wir haben das Ganze einmal mit einem anspruchsvollen Test ausprobiert. Wir arbeiten gerade an einem neuen großen Training.

Die Idee war, einmal alle Folien dazu von Claude im Vergleich zu Gamma produzieren zu lassen. 88 Stück.

1. Sag, was das Deck leisten soll. Den Rest sucht Claude sich selbst.

Wir halten uns selbst an unsere Tipps und geben mittlerweile fast nur noch klare Ziele vor.

Wir haben weder ein Briefing geschrieben noch irgendwas hochgeladen.

Claude hat sich das Produktkonzept und unser Designsystem aus unserem Second Brain geholt und losgelegt.

Wenige Minuten später stand ein komplettes Foliendeck. Und es war richtig stark!

2. Nicht neu prompten. An der Folie kommentieren.

Natürlich war einiges noch nicht perfekt. Das Interface ist aber richtig gut und du hast verschiedene Möglichkeiten, die Folien direkt anzupassen bzw. anpassen zu lassen.

Element anklicken, @Claude tippen, Anpassungswunsch reinschreiben. Fertig. Es wird direkt dort angepasst.

3. Kleinkram machst du selbst.

Das Coole im Vergleich zu früher: Alle Folien sind direkt in Claude editierbar.

Es sind echte Textfelder mit echten Stilen. Kein Bild von einer Folie, bei dem du für jedes Komma die AI bemühen musst.

Reinklicken, editieren. Fertig!

4. Teilen wie ein normales Dokument.

Selbstverständlich kannst du die Folien als PowerPoint und Co. herunterladen. Aber du kannst auch direkt mit anderen darin arbeiten, wenn sie Claude nutzen.

Einfach einladen als Bearbeiter, Kommentator oder Betrachter. Feedback landet direkt an der Folie statt in fünf Slack-Nachrichten.

5. Direkt aus Claude präsentieren.

Letzter Punkt, der es für uns fast schon zu einem kompletten PowerPoint-Ersatz macht: die Präsentationsfunktion.

Mit Sprechernotizen, Timer und Vorschau auf die nächste Folie. Für unsere Videoaufnahmen ist das Gold wert.

Wo es noch hakt: Bilder und Videos einbinden ist noch nicht ganz intuitiv. Plugins für andere Tools auch nicht. Beta eben. Aber das meiste bekommt man gut hin.

Töten die Labs jetzt alle SaaS-Tools?

Im Februar hat die Börse genau das geglaubt. Stichwort SaaSpokalypse, wir haben damals darüber geschrieben.

Ganz so schlimm kam es nicht. Viele der großen Software-Firmen stehen heute wieder gut da. Aber wir sehen bei uns selbst einen klaren Trend:

  • Wackelt: Jedes Tool, dessen Kern lautet "AI macht dir ein Dokument, Website, …". Folien, Onepager, einfache Landingpages, Meeting-Notizen etc. können die Labs jetzt selbst.

  • Bleibt: Alles, wo deine Daten wohnen und Prozesse dranhängen. Buchhaltung, CRM, Shop. Da dockt der Agent an, er ersetzt es nicht sofort.

  • Offen: Alles mit Geschmack oder Netzwerk. Notion, Slack etc.

Wir merken, wir sparen jeden Monat mehr und mehr ein, indem wir Tools kündigen. Canva, Gamma, Airtable, n8n und einige mehr sind schon draußen.

Selbst Dauerbrenner und Lieblingstools wie Wispr Flow und Granola haben wir mittlerweile durch eigene Apps ersetzt.

Überprüfe mal deine einzelnen Abos und schaue, wo du vielleicht etwas einsparen willst.

🟣 OpenAI Dots: Der nächste always-on Agent mit einem Problem

Wir können es dir nicht übel nehmen, wenn du langsam den Überblick verlierst. Jeder veröffentlicht gerade autonome AI-Agents.

Was ursprünglich einmal durch OpenClaw losgetreten wurde, wird mittlerweile von so gut wie jedem in irgendeiner Weise kopiert.

Letzte Woche haben wir über das Rennen um deinen persönlichen Agenten geschrieben. Grok Bot, Muse, Instinct.

Jetzt kommt auch die Version von OpenAI dazu.

OpenAI hat auf dem DevDay unter anderem Dots vorgestellt. Ein Agent, der dauerhaft für dich läuft. Eigener Cloud-Rechner, eigener Browser, Anschluss an über 4.000 Apps.

Erreichbar in ChatGPT, Slack, Teams oder per Anruf.

Er arbeitet weiter, wenn du den Laptop zuklappst. Und sucht im Hintergrund von selbst nach Dingen, bei denen er dir helfen kann.

Das Konzept und die Funktionen sind quasi identisch mit den anderen Agents, die gerade so aufkommen.

Wie immer für uns erst mal mit Haken: Im Pro-Abo gibt es Dots vorerst nicht in der EU, der Schweiz und UK. Für uns hier geht es aktuell nur über Business Premium.

Zwei Dinge, die wir aktuell für wichtiger halten als die Funktionen selbst:

1. Am Tag davor hat OpenAI gebremst. Diesmal wirklich.

Letzte Woche haben wir noch darüber geschrieben, dass es im Moment nicht danach aussieht, dass die AI-Labs bremsen.

Aber am Montag berichtete das Wall Street Journal: OpenAI streicht den für Oktober geplanten Release von GPT-6.1 Astra.

Das Modell hat in internen Tests öfter getäuscht als der Vorgänger. Und es hat Aufgaben durchgezogen, ohne um Erlaubnis zu fragen.

Also genau das, was du bei einem always-on Agenten wie Dot mit Zugriff auf dein Postfach & Co. nicht willst.

Fairerweise: Dots läuft auf dem bisherigen GPT-6 Astra. Und OpenAI hat hier tatsächlich auf die Bremse getreten. Respekt dafür.

2. Dein Dot zeigt dir nicht, was er über dich weiß

Autonome Agents bauen ja Erinnerungen auf. Dadurch werden sie mit der Zeit besser. Das Problem ist aber: Wenn man mal wechseln will, ist es schwer, die Erinnerungen rauszubekommen.

Dot zeigt sie wohl gar nicht.

Steht so in OpenAIs eigener Hilfe: Einzelne Erinnerungen kannst du aktuell weder ansehen noch löschen. Du kannst nur den ganzen Dot löschen.

Trennst du eine App, vergisst er nicht, was er daraus schon gelernt hat. Willst du wechseln, startest du von 0.

Daher wie immer unser Mantra: Der Agent ist gemietet. Der Kontext gehört dir. Schau, dass du dein Wissen lokal bei dir aufbaust.

Unser Take: Personal Agents sind die Zukunft

Ja, wir werden geflutet von always-on Agents. Wir denken auch, das ist definitiv die Zukunft.

OpenAI hat 1,2 Milliarden Nutzer und baut nach wie vor mit die beste User Experience. Zudem haben sie den Erfinder von OpenClaw eingespannt. Das Produkt wird gut werden, selbst wenn es jetzt noch etwas nach Beta aussieht.

Trotzdem sollte man sich aktuell noch nicht zu abhängig von einer Company machen.

Wir arbeiten bereits an einem Deep-Dive, der die wichtigsten Agents noch einmal genauer gegenüberstellt, und testen gerade wie verrückt. Der kommt morgen raus.

Unser Ziel: Du weißt ohne viel Aufwand, was das richtige Setup für dich ist.

P.S. Der für uns größte Aufreger war übrigens ein anderer. OpenAI hat das 200-Dollar-Abo umgebaut. Gleicher Preis, künftig halbes Kontingent. Darüber gibt es jetzt eine neue Stufe für 500 Dollar im Monat. Wer schon Pro hat, behält sein altes Kontingent noch bis Ende Oktober.

🎩 Sechs Hüte, ein Prompt: Ein Buch von 1985 für deine nächste Entscheidung

Kurzer Themenwechsel zum Abschluss.

Uns ist vor Jahren, lange vor ChatGPT, ein Buch in die Hände gefallen: Six Thinking Hats von Edward de Bono. Wir fanden es damals extrem gut.

Durch Zufall haben wir es im Regal gefunden und wieder angefangen zu lesen. Dabei ist uns aufgefallen, wie viel cooler man das Konzept mittlerweile mit AI umsetzen kann.

Die Idee ist simpel. In den meisten Diskussionen denken alle gleichzeitig in alle Richtungen.

Einer nennt Fakten, der Nächste hat ein schlechtes Gefühl, der Dritte eine neue Idee. Am Ende gewinnt oft, wer am lautesten ist.

De Bono sagt: Alle setzen nacheinander denselben Hut auf.

  • Weiß: Fakten. Was wissen wir, was fehlt?

  • Rot: Bauchgefühl. Ohne Begründung.

  • Gelb: Chancen. Was spricht dafür?

  • Schwarz: Risiken. Was kann schiefgehen?

  • Grün: Alternativen und neue Ideen.

  • Blau: Der Moderator. Worum geht es, was folgt daraus?

Früher brauchtest du dafür ein diszipliniertes Team in einem Raum. Heute reicht ein Prompt.

Und er löst nebenbei ein typisches AI-Problem. Frag ein Modell nach einer Entscheidung, und du bekommst Fakten, Risiken und Chancen in einem einzigen ausgewogenen Brei.

Der Prompt zum Klauen

Funktioniert in ChatGPT, Claude und Gemini.

Ich stehe vor dieser Entscheidung: [ENTSCHEIDUNG IN 2-3 SÄTZEN]

Kontext, den du brauchst: [ZAHLEN, RAHMEN, WAS SCHON VERSUCHT WURDE]

Geh die Entscheidung mit den Six Thinking Hats von Edward de Bono durch. Ein Hut nach dem anderen, in dieser Reihenfolge. Vermische sie nicht. Die Hüte sind Blickrichtungen, keine Rollen: kein Schauspiel.

1. Blau (Start): Formuliere in einem Satz, was genau entschieden werden soll. Frag nach, wenn das unklar ist.
2. Weiß: Welche Fakten liegen vor? Welche fehlen? Frag mich nach den fehlenden, bevor du weitermachst.
3. Rot: Frag mich nach meinem Bauchgefühl in einem Satz. Nicht bewerten, keine Begründung verlangen.
4. Gelb: Das beste realistische Ergebnis und was dafür stimmen muss.
5. Schwarz: Die drei wahrscheinlichsten Arten, wie das schiefgeht. Hier nichts abmildern.
6. Grün: Zwei Alternativen, an die ich nicht gedacht habe. Mindestens eine davon deutlich kleiner als mein Plan.
7. Blau (Schluss): Was hat sich durch die Runde geändert? Deine Empfehlung in zwei Sätzen und der erste Schritt für morgen.

Halte jeden Hut kurz. Wenn mein Bauchgefühl (Rot) und die Fakten (Weiß) sich widersprechen, sag es ausdrücklich.

Achte auf den roten Hut. Da fragt die AI dich. Ein Modell, das sich ein Bauchgefühl ausdenkt, bringt dir nichts.

Warum wir es mögen

Wir lieben es, AI als unseren Denkpartner zu haben. Es ist einfach so wertvoll.

Im Mai hatten wir hier den Experten-Panel-Prompt. Vier Köpfe, die sich streiten.

Die Hüte sind ein anderer Take. Ein Kopf, sechs Blickrichtungen, nacheinander.

Für die großen Brocken nehmen wir weiter das Panel. Für alles, was du heute noch entscheiden musst, reichen die Hüte. Dauert fünf Minuten und gibt vielleicht spannende Blickrichtungen.

Und ja, ein Buch von 1985 als AI-Tipp. Manche Sachen altern einfach gut. 😉

So, das war's für heute. Tausend Dank fürs Lesen!

Reto & Fabian von den AInauten

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