Hi AInauten,

Willkommen zum Deep-Dive für diese Woche!

Nach unserem Wispr-Flow-Nachbau zeigen wir dir heute, wie du dir dein eigenes Tool baust.

Du erinnerst dich, es lief nicht alles auf Anhieb rund: Unsere erste Diktierleiste war ungefähr dreimal so groß wie die von Wispr Flow. Und wenn wir Deutsch sprachen, verstand die App zeitweise Englisch.

Der Agent hatte fleißig gebaut. Perfekt war es aber noch nicht.

Für uns war es ein sehr dankbares Projekt, und für euch offensichtlich auch: Auf den Newsletter-Beitrag kamen so viele Rückmeldungen wie selten.

Der Tenor: „Zeigt mir, wie das geht!“

Spannend war, was ihr bauen wollt. Ein Quiz für die eigene Schulklasse. Eine Hilfe fürs Rüsten von Maschinen in der Werkstatt. Persönliche Auswertungen, für die es kein passendes Tool gibt.

Das sind keine Entwickler-Probleme! Das sind Alltagsprobleme.

Und genau dort spielt Vibe Coding seine Stärke aus.

Vibe Coding bedeutet: Du beschreibst einfach, was deine Software tun soll.

Du entwickelst sie im Gespräch mit der AI. Du schreibst keinen Code.

Deine Rolle bleibt trotzdem zentral. Du kennst den Alltag, für den du baust, du entscheidest über den Umfang und du beurteilst, ob das Ergebnis taugt.

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Noch nie etwas selbst gebaut? Perfekt, dann ist dieser Deep-Dive für dich. Programmieren musst du nicht können. Du brauchst ein ChatGPT- oder Claude-Abo, die Desktop-App auf deinem Computer und ein Problem, das dich nervt.

Den Großteil erledigt der Agent, und unsere Prompts sagen ihm, wie. Du gibst frei, beantwortest Rückfragen und testest, ob das Ergebnis im Alltag taugt.

Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass wir über Vibe Coding schreiben. Wir haben dir schon den großen Vibe Coding Guide gezeigt, unsere 7-Schritte-Formel aus der Praxis und wie du mit Vibe Workflows eigene Automationen baust.

Seither hat sich aber einiges getan. Damals haben wir vor allem mit Lovable & Co. im Browser gebaut.

Heute arbeiten Agenten wie ChatGPT Work/Codex (wir sagen im Folgenden Codex) und Claude Code direkt in einem Ordner auf deinem Rechner, setzen ganze Aufgaben selbständig um und testen ihre Arbeit gleich mit. Deshalb ist jetzt ein Update fällig.

Eines gilt aber weiter: unser S.H.I.P.-Prinzip. Spezifizieren, Hacken, Iterieren, Publizieren. Oder kurz: Shipping schlägt Perfektion.

In diesem Deep-Dive zeigen wir dir unseren kompletten Ablauf, Schritt für Schritt, mit allen Prompts zum Kopieren.

Als roten Faden nehmen wir eine abgespeckte Version von AInauten Voice: Taste halten, sprechen, loslassen, Text steht da. Die App kennst du schon, und so bleibt alles an einem einzigen Projekt nachvollziehbar.

Für deinen allerersten Versuch ist eine Diktier-App aber überdimensioniert. Dafür nimmst du besser das Mini-Tool gleich unten oder eine Idee aus unserer Liste.

Wir zeigen dir alles mit ChatGPT, weil der Einstieg dort am einfachsten ist. Mit Claude Code, Google Antigravity oder Cursor funktioniert der Ablauf ebenfalls. Bedienung, Funktionen und Freigaben unterscheiden sich je nach Tool.

Das erwartet dich:

  1. Erst suchen, dann bauen

  2. Gib deinem Projekt einen festen Platz

  3. Erst reden, dann bauen: die Spezifikation

  4. Bauen lassen, konkret Feedback geben

  5. Lass den Agenten beweisen, dass es läuft

  6. Hosting erst, wenn du es brauchst

  7. Der Alltagstest entscheidet

Vibe Coding in 7 Schritten: Suchen, Einrichten, Spezifizieren, Bauen, Beweisen, Hosten, Alltagstest

Dazu: Ideen für deine erste App, die sieben häufigsten Stolpersteine, ein FAQ und unser Startpaket mit allen Prompts und unserem Skill zum Download.

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Schnellstart: Lass dich von deinem Agenten führen. Du musst dir nicht alles merken. Speichere diesen Beitrag als PDF (im Browser über „Drucken“ und „Als PDF sichern“), leg ihn in einen leeren Ordner und öffne den Ordner in Codex. Dann schreibst du:

„Lies die Anleitung in diesem Ordner. Ich bin kein Entwickler. Führ mich Schritt für Schritt durch, frag mich zuerst nach meinem Problem und mach erst weiter, wenn ich bereit bin.“

Noch einfacher geht es mit unserem Skill aus dem Startpaket am Ende.

Aber lass uns gleich ein erstes Erfolgserlebnis haben, einen „Magic Moment“.

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Dein erstes Mini-Tool, bevor du weiterliest. Am besten probierst du es gleich aus. Öffne Codex (oder Claude Code) auf deinem Computer, wähle einen neuen, leeren Ordner als Projekt und schreib:

„Bau mir eine lokale HTML-Datei: Ich markiere Namen und andere persönliche Angaben, das Tool ersetzt sie durch Platzhalter und setzt sie in einer Antwort wieder ein. Ohne Netzwerkzugriffe, mit Button ‚Beispieltext einfügen‘ für erfundene Daten. Teste beide Richtungen und öffne die Datei im Browser.“

Codex baut das Tool, testet es und öffnet es dir. Klick auf „Beispieltext einfügen“, markier die persönlichen Angaben und prüf die Platzhalter wie [NAME_1]. Mit erfundenen Daten probierst du danach den Weg über ChatGPT aus. Bitte um eine freundliche Antwort und unveränderte Platzhalter. Die Antwort fügst du ins Tool ein, und die echten Daten stehen wieder an ihrem Platz.

Danach gibst du dein erstes Feedback: „Markier die ersetzten Stellen farbig.“ Fragt der Agent nach Freigaben, ist das normal. Damit hast du den ganzen Ablauf einmal erlebt: beschreiben, bauen lassen, Feedback geben.

Ob das Tool für echte Kundenmails taugt, prüfst du danach mit weiteren Testfällen. Das ist Pseudonymisierung, keine garantierte Anonymisierung. Prüf den ganzen Text, bevor du echte Daten weitergibst. Die sieben Schritte unten zeigen dir, wie du daraus dein eigenes Projekt machst.

Legen wir los!

P.S. Sorry, not sorry… dieser Post wird mit passenden Memes illustriert. 😘

Vorab: Noch keine Idee?

Die besten ersten Apps lösen ein Problem, das du selbst jede Woche hast. Software für genau eine Person: dich. Was meist fehlt, ist nicht die Idee, sondern der Blick dafür.

Frag dich deshalb:

  • Was mache ich jede Woche von Hand?

  • Was nervt mich seit Monaten?

  • Welche App suche ich ständig und finde sie nicht?

Fällt dir nichts ein, lass die AI suchen.

Den folgenden Prompt gibst du am besten im normalen ChatGPT-Chat ein, wo du immer unterwegs bist. Dort kennt ChatGPT dich aus früheren Gesprächen und Memories und findet Ideen, die wirklich zu deinem Alltag passen.

Du bist mein Builder-Coach. Ich kann nicht programmieren und möchte meine erste kleine App bauen.

Schau dir meine bisherigen Chats und Memories an, falls du Zugriff darauf hast: Wo mache ich wiederkehrende Handarbeit, was nervt mich, was schiebe ich seit Langem vor mir her? 

Falls du keinen Zugriff hast, stell mir drei kurze Fragen zu meinem Job und Alltag.

Schlag mir dann 5 bis 10 unterschiedliche Ideen für kleine Tools vor, als HTML-Datei, Browser-Extension oder kleine lokale App. Keine generischen Ideen ohne erkennbaren Bedarf. Mindestens eine Idee soll mich überraschen.

Bewerte jede Idee nach Nutzen, Aufwand und Datenschutz. Empfiehl mir die eine, mit der ich heute am schnellsten ein Erfolgserlebnis habe.

Die beste Idee nimmst du dann mit in Schritt 1. In unserem AI-Mitarbeiter-Bootcamp haben wir übrigens einen ausführlichen Prompt, mit dem du alle relevanten Daten aus ChatGPT holst. Und wenn du deine Chats herunterladen und sauber aufbereiten willst, here you go.

Acht Ideen zum Nachbauen

Die besten ersten Projekte ersetzen ein Abo, einen fragwürdigen Upload oder eine nervige Handarbeit. Für eine erste, kleine Version eignen sich zum Beispiel:

  • PDF-Werkbank statt Smallpdf (HTML): PDFs zusammenfügen, sortieren und einzelne Seiten löschen. Lass sie so bauen, dass die Verarbeitung vollständig lokal bleibt.

  • Hintergrund-Entferner statt remove.bg (HTML): Foto reinziehen, Hintergrund weg. Die AI dafür läuft direkt in deinem Browser.

  • Vorleser (HTML): Text rein, vorlesen lassen, mit Tempo-Regler. Wer sich die eigenen Texte anhört, findet holprige Sätze sofort.

  • Bank-Auswertung (HTML): Kontoauszug als CSV exportieren, reinziehen und sehen, wohin dein Geld fließt. Auch hier ist rein lokale Verarbeitung das Ziel.

  • Klassen-Quiz für den Beamer (HTML): aus deinem Unterrichtsstoff, mit Teams und Punktestand, ohne Handys und Accounts.

  • Rüst-Anleitung (HTML): Schritt für Schritt mit Fotos zum Durchklicken und Abhaken, für die Werkstatt oder die Einarbeitung neuer Leute.

  • Serienbrief-Maschine (HTML): Adressliste aus Excel rein, druckfertige Etiketten oder Briefe raus. Für Verein, Praxis oder Firma.

  • Dollar-Umrechner (Browser-Extension): zeigt auf jeder Webseite neben Dollarpreisen den Betrag in Euro oder Franken. Praktisch bei den Preisseiten der AI-Tools.

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Pro-Tipp: Browser-Extensions ohne Store testen. Deine Extension musst du nicht veröffentlichen, um sie zu nutzen.

Öffne in Chrome chrome://extensions, schalte oben rechts den Entwicklermodus ein und lade deinen Projektordner über „Entpackte Erweiterung laden“. Nach jeder Änderung klickst du dort auf Aktualisieren.

Wie du sie später in den Chrome Web Store bringst, zeigen wir dir in dieser Ausgabe.

Willst du tiefer graben, etwa weil du mit deiner App irgendwann Geld verdienen möchtest? Dann probier unseren IKIGAI-Skill. Er sucht die Schnittmenge aus dem, was du liebst, was du kannst und wofür andere zahlen würden.

Aber beachte auch: Es war noch nie so einfach, etwas zu bauen, das niemand braucht. Frag dich deshalb vor dem Start: nützlich oder nur neu?

Mehr Prompts von der vagen Idee zum ersten Prototyp findest du in unserem Deep-Dive für Vielbegabte, und hier zeigen wir Apps, die Menschen ganz ohne Programmierkenntnisse gebaut haben.

1. Erst suchen, dann bauen

„Erst suchen, dann bauen“ klingt unsexy. Aber vielleicht gibt es dein Tool ja schon?

Für die Nutzung einer bestehenden Lösung sprechen drei gute Gründe:

  • Da steckt schon Hirnschmalz drin. Gute bestehende Lösungen bringen Dinge mit, an denen jemand lange gearbeitet hat: Fehlerbehandlung, Updates, Feedback von echten Nutzern.

  • Es spart Zeit, Geld und Tokens. Was schon existiert, musst du nicht erst bauen, testen und die Fehler suchen (aka „debuggen“).

  • Du musst es nicht pflegen. Auch wenn die AI beim Bauen hilft: Jedes Betriebssystem-Update, jede neue Browser-Version kann deine eigene App kaputt machen.

Eigenbau lohnt sich vor allem in folgenden Fällen:

  • Das Problem ist klein und sehr spezifisch. Die Auswertung, die du jeden Freitag brauchst. Die Daten, die du ständig von Programm A nach Programm B kopierst.

  • Das bestehende Tool kann fast alles, außer genau den einen Schritt. Und du zahlst für 50 Funktionen, um eine zu nutzen.

  • Du willst die Kontrolle. Deine Daten sollen auf deinem Rechner bleiben, oder dich nervt das monatliche Abo.

  • Du siehst eine Marktlücke. Du kennst ein Problem aus deiner Branche besser als jeder Softwarehersteller, etwa aus der Werkstatt, der Praxis oder dem Steuerbüro. Oder du hast schlicht eine gute Idee, für die es noch nichts Passendes gibt. Dann ist dein Insiderwissen der eigentliche Wert, und die AI baut dir das Werkzeug dazu.

Erst suchen, dann bauen: Gibt es das schon? Ja heißt nutzen, nein heißt selbst bauen

Gib deinem Agenten deshalb zuerst diesen Auftrag, um herauszufinden, ob du etwas Bestehendes nutzen kannst oder lieber selbst bauen solltest:

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